Kren/Meerrettich & zwischenmenschliche Konflikte

Wie (fast) alle Österreicher/Bayern und Deutsche wissen, gibt es bei dieser scharfen Beilage sprachliche Unterschiede. Die meisten Berliner werden mit dem Wort "Kren" nichts anfangen können und der größte Teil der Salzburger nichts mit dem Wort "Meerrettich".

Krenwurzel - geputzt und fertig für den Verkauf Zu den sprachlichen Wurzeln der beiden Wörter gibt es folgendes zu sagen: Meerrettich hat nach Heinrich Marzell1, deutscher Botaniker *1885 +1970, tatsächlich mit dem Meer zu tun hat. Meerrettich ist für ihn "der über das Meer gekommene Rettich", was auch die Tatsache unterstützt, dass Meerrettich auch an Meeresküsten wächst. Laut etymologischen Duden2 ist die Meinung von Marzell eine spätere Umdeutung. Meerrettich ist, laut Duden, ganz einfach ein "größerer Rettich". Der Wortteil "meer" ist eine Verwandlung von "mehr" in Sinne von "groß", wie es im Althochdeutschen verwendet wurde. Und das Wort Kren, das in Österreich und Bayern verwendet wird, ist ganz einfach ein Lehnwort aus dem slawischen Sprachraum. Der Wortstamm kommt vom slawischen "krenas" - was soviel wie Weinen, Greinen, Flennen bedeutet.

Kren/Meerrettich ist nicht nur für Schweißperlen auf der Stirn und Atemnot verantwortlich, sondern auch für zwischenmenschliche Konflikte, wie folgende (wahre) Geschichte veranschaulicht:

Originalnase der im Beitrag vorkommenden Frau Berlin Es war einmal ein Tiroler und eine Berlinerin, die sich kennen und lieben gelernt haben - Frau Berlin und Herr Tirol3. Kurz nach der Hochzeit, es war in der Osterzeit, besuchten beide die Eltern von Herrn Tirol. Zu Ostern ist es Brauch im Tiroler Land Geselchtes (=Geräuchertes) mit Kren zu essen. Frau Berlin fragte beim Essen, was denn das da in dem Glas sei - so gerieben schaut es fast aus wie Parmesan. Daraufhin Herr Tirol: "Das ist Kren." Frau Berlin konnte als Deutsche nichts mit diesem Wort anfangen. Also machte Herr Tirol den Vorschlag, sie soll doch einmal daran riechen, dann weiß sie sicher was das für eine Köstlichkeit ist. Gesagt getan, nahm Frau Berlin das Glas, steckte die Nase ins Glas und roch daran. Dummerweise nicht nur ein bißchen, sondern recht kräftig. Jeder kann sich nun vorstellen, wie der Zustand von Frau Berlin in den nächsten Minuten war. Tränende Augen, eine beißende Nase, Schweißtropfen und ein gerötetes Gesicht waren die Folgen. Das Spiel dauerte einige Minuten. Herr Tirol erkannte nicht gleich die Folgen, die dieses Sprachenmißverständnis und der fehlende Hinweis, dass Frau Berlin nur leicht am Glas riechen sollte, nach sich trug. Das Resultat waren 3 Tage Gesprächsverweigerung. Eigentlich wäre das ein Mediationsfall par excellence gewesen, aber Herr Tirol schaffte es auch ohne Mediator. Gut, dass sich damals alles noch zum Guten wendete, denn sonst würde es meinen Freund und seine Geschwister wahrscheinlich gar nicht geben.

Mein Tipp an alle Leser, damit solche Situationen ausgeschlossen werden können: Deutsch-Österreichische Paare aufklären oder ihnen diesen Artikel zum Lesen empfehlen.

(Fotonachweis 4 )

Prof. Wurst