Warum die Teewurst Teewurst heisst...

Ein Teewurst-Teebeutel... Die Frage "Warum die Teewurst eigentlich Teewurst heißt" haben sich sicherlich schon einige von euch gestellt, einschließlich mir. Als kleines Kind kleine Wurst dachte ich mir immer, dass in dieser Wurst Tee ist, vielleicht ja sogar Fencheltee, den man als Kind immer bekommen hat. Ist natürlich Blödsinn. Als ich älter war, kam mir in den Sinn, dass die Wurst vielleicht mit Tee-Blättern geräuchert wird, was natürlich ebenfalls Quatsch ist. Nach einiger Zeit fand ich aber die richtige Antwort: Der Name hat nichts mit der Zusammensetzung der Wurst oder dem Räuchervorgang zu tun, sondern einzig und allein mit der Tageszeit der Verkostung dieser Wurst!

Rügenwalde in Hinterpommern1 galt Ende des 19. Jhd. als die Stadt der Wurstspezialitäten. Otto von Bismarck war nur einer von vielen prominenten Genießern zur damaligen Zeit. Verantwortlich für den Ruhm war nicht zuletzt auch der Hafen, der den regen Handel mit Wurstwaren möglich machte. 1834 gilt als das Gründungsjahr der Rügenwalder Wurstfabrik von Carl Müller. Sein Sohn, ebenfalls Carl Müller, trat in die Fußstapfen des Vaters und erfand um die Jahrhundertwende eine streichfähige Wurst, unnachahmlich im Geschmack. Durch eine aufwändige Zubereitung, bei der die Zutaten sehr fein zerkleinert werden, und eine natürliche Reifung entstand eine Wurst von hervorragendem Aroma, so herzhaft fein wie nie zuvor. Wie zu damaliger Zeit üblich, gab es am Nachmittag Tee. Die Fleischermeister von Rügenwalde bevorzugten dazu einen herzhaften Imbiss und ließen sich statt süßer Backwaren die neuartige feine Streichwurst schmecken. Rasch entwickelte sich diese Wurstsorte zur ständigen Beigabe zum Nachmittagstee und so bürgerte sich nach und nach – auch außerhalb der Stadt Rügenwalde – der Name „Teewurst” ein.2

Wenn man es also genau nehmen würde müsste man diese Wurst eigentlich als "Teezeit-Wurst" bezeichnen. So, nun wisst ihr Bescheid! Wäre doch eine Idee, zum nächsten Kaffeekränzchen mal keine Süßigkeiten, sondern frische Brötchen mit Rügenwalder Teewurst zu reichen... ;-)

Die grüne Weißwurst, oder besser: Die bayrische Teewurst Update (26.05.2014):

Es gibt einen neuen Teewurst-Artikel an der Wurstakademie. Es geht um eine ganz echte grüne Teewurst. Sie kommt aus Bayern. Aber bitte sagt nicht "Grüne Weißwurst" zu ihr, das mögen die Bayern verständlicherweise nicht, sie sind ja sehr traditionsbewußt, wie wir alle wissen... ;-)

Bitte schön, hier entlang: GRÜNE WEISSWURST. ODER BESSER: ORIGINAL BAYRISCHE TEEWURST

 

  • 1. Heute als Darłowo in Polen gelegen.
  • 2. Auf der Webseite der Rügenwalder Mühle, dem Unternehmen, das die Teewurst um 1900 kreierte, fand ich vor einiger Zeit diesen hier zitierten Text. In der Zwischenzeit wurde die Webseite erneuert und diese Erklärung zur Namensgebung der Teewurst verschwand leider von der Webseite - zumindest habe ich sie nicht mehr entdeckt...
Prof. Wurst