Für alle, die sich jetzt denken, dass das viel zu klein ist und man das nicht lesen kann, ein kleiner Tipp: Wenn ihr die Maus über das Büchlein oben bewegt, kommt gleich mal ein Button “View in fullscreen”. Dort einfach draufklicken und ich bin mir sicher, dass es nun groß genug ist…
Heute geht es wieder mal wissenschaftlicher zu an der Wurstakademie - nach diesem Artikel wird euch der Kopf rauchen. Wahrscheinlich, nein ziemlich sicher, hast du dich auch schon öfter gefragt, warum eine Wurst immer der Länge nach aufplatzt - auf dem Foto rechts ist mir “versehentlich” eine Pustakrainer geplatzt, natürlich der Länge nach. Ab und zu passiert das, vor allem, wenn man nicht weiß, welche die ideale Temperatur zum Wurst erhitzen ist und die Würste aus diesem Unwissen heraus in kochendes Wasser gibt. Vor einiger Zeit habe ich den Wurststudenten Mike gebeten, sich diesem Thema zu widmen. Und nun war es soweit: Vor ein paar Tagen übergab er mir seine Arbeit. Diese will ich dir natürlich nicht vorenthalten und möchte sie hier zusammengefasst präsentieren! Und los geht’s:
Warum platzt die Wurst immer der Länge nach? Erhitzen wir eine Wurst, so steigt klarerweise der Innendruck (pi). Da Druck die Kraft pro Flächeneinheit ist, auf die sie wirkt, können wir die wirkenden Kräfte ermitteln.
Diese Kräfte wiederum “ziehen” am Querschnitt der Wursthaut. Dies nennt man Spannung. Wird genau diese Spannung größer als die zulässige Spannung der Wursthaut, dann wird diese reißen! Und nun schauen wir uns auf der linken Seite an, wie die Kräfte und Spannungen in Längsrichtung auf ein Wurstrad wirken und auf der rechten Seite wie sie in Querrichtung auf ein Wurstrad wirken:
Und das leiten wir nun ab. In Formeln ausgedrückt schaut das nun so aus: Weiter lesen…
An manchen Wurstständen, meist im Wiener Raum, kann man immer wieder den Begriff “Einspänner” auf der Preisliste lesen. Die wenigsten Gäste (von außerhalb) können im ersten Moment mit diesen “Einspännern” etwas anfangen und denken eher an einen der folgenden Einspänner:
Einspänner Nr.1 = Ein von einem Pferd gezogenes Fuhrwerk bzw. Kutsche.
Einspänner Nr.2 = Eine Wiener Kaffeespezialität - ein großer Brauner in einem Glas mit sehr viel Schlagobers/Sahne oben drauf.1
Einspänner Nr.3 = Vor langer Zeit ein Bauer, der mit seinem Gespann fronpflichtig war.
Einspänner Nr.4 = In der Architektur eine Zugangsart zu einem Wohngebäude.2
Aber die für uns wichtigste Variante ist natürlich der Wurst-Einspänner. Kurz und bündig erklärt,
ist ein “Einspänner” am Wurststand
eine Einzelwurst von einer Wurstart,
die es normalerweise als Paar
zu kaufen und genießen gibt.
Früher gab es nur Frankfurter/Wiener als Einspänner, aber in der Zwischenzeit gibt es beispielsweise auch Debreziner, Käsegriller und Pustakrainer als Einspänner. Und da sich der Begriff “Einspänner” von Wien aus auch in den Westen Österreichs ausbreitet, gibt es im Salzburger Raum auch Frische und im Tiroler Raum auch St. Johanner als Einzelwurst. Achtung: Eine Käsekrainer oder eine Waldviertler nennt man nie Einspänner, denn die werden normalerweise ja nicht als Paar verkauft!
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Zugegeben, bei meiner ersten Begegnung mit dieser Wurst vor 3 Jahren konnte ich mir nicht vorstellen, dass die Batschka eine meiner Lieblingswürste werden sollte. Da lag eine in Scheiben geschnittene Wurst vor mir, deren Konsistenz nicht wirklich fest war und regelrecht in ihrer eigenen roten Paprikasauce schwamm. Nicht zu vergessen der Senf, der aus der Paprikasauce “herausragte”. Ich zog bei diesem Anblick zuerst einmal die linke Augenbraue in die Höhe - das mach ich übrigens immer, wenn ich skeptisch bin.
Die runzlige Stirn verschwand aber mit dem ersten Bissen und mein Gesichtsausdruck drückte nun wohl Verwunderung aus. “Wow” dachte ich “das gibt’s ja nicht! Was für ein Geschmackserlebnis!” Ich genoss diese Wurst sichtlich und die im Pappteller übrig gebliebene Sauce und den Senf tunkte ich dann noch mit dem Brot auf. (Auf dem Bild oben habe ich eine Wurst einer Serie mit wenig Paprikasauce erwischt, aber meistens gibt es ganz viel davon!)
Aber was ist das nun für eine in unseren Breiten nicht alltägliche Wurst? Die Wurst heißt Batschka oder auch Banata oder Siebenbürger Wurst, ganz einfach nach den Namen der Regionen1 woher die Wurst stammt. Es ist also eine Ungarisch-Rumänische2Wurst.
Ich kenne sie nur bei der richtigen Wassertemperatur erhitzt und als getrocknete Hartwurst - aber man kann sie auch grillen und braten. Also eine richtige Allroundwurst! Die Batschka besteht aus bestem Schweinefleisch und durch eine ganz spezielle Gewürzmischung kommt der geniale Geschmack zustande. Erwähnen muss ich noch, dass es einen Unterschied zwischen ungarischen und rumänischen Batschkas gibt: Die Ungarn verwenden sehr viel Paprika, deshalb auch die rote Färbung, und weniger Knoblauch. Und die Rumänen stellen die Würste mit viel Knoblauch und sehr wenig Paprika her.
Außerhalb der ungarisch-rumänischen Region gibt es nur einen Metzger, der diese Wurst herstellt bzw. herstellen kann, nämlich der Salzburger Weiter lesen…
Wer sich über Wursthaut Gedanken macht (das tun mehr Leute als ihr euch vorstellt ), denkt entweder an Naturdarmoder an die meist grauenvoll schlichten und nicht wirklich kreativ gestalteten “Plastikwursthäute” für Aufschnittwurst, wie man sie in jedem Supermarkt bekommt bzw. sehen kann.
Klar, man kann argumentieren, dass die Qualität von dem, was in dieser Hülle verborgen ist, das Wichtigste und Entscheidende ist. Dem will ich auch gar nicht widersprechen. Aber trotzdem finde ich, dass die Wurstbranche etwas mehr Kreativität braucht. Ich nehme mal unseren lieben Ludger mit seiner WorldWideWurst1 aus. Ansonsten kann man nur gähnen, wenn man die langweiligen Aufschnittwursthüllen sieht. Aber das russische Wurst- und Fleischwarenunternehmen Dymov2 hat es geschafft, etwas Wind in die Branche zu bringen, wie ihr hier sehen könnt:
Dymov engagierte die FIRMA3- Ein Leitspruch dieser Kreativagentur, die in den Bereichen Design, Musik, Video, Mode und Architektur unterwegs sind, ist folgender: Weiter lesen…
Die Webseite von DYMOV gibt es leider nur auf Russisch. Ich versteh jedenfalls kein Wort. Aber die Wurstbilder sprechen Gott sei Dank eine internationale Sprache… ↩
Die Frage “Warum die Teewurst eigentlich Teewurst heißt” haben sich sicherlich schon einige von euch gestellt, einschließlich mir. Als kleines Kind kleine Wurst dachte ich mir immer, dass in dieser Wurst Tee ist, vielleicht ja sogar Fencheltee, den man als Kind immer bekommen hat. Ist natürlich Blödsinn. Als ich älter war, kam mir in den Sinn, dass die Wurst vielleicht mit Tee-Blättern geräuchert wird, was natürlich ebenfalls Quatsch ist.
Nach einiger Zeit fand ich aber die richtige Antwort: Der Name hat nichts mit der Zusammensetzung der Wurst oder dem Räuchervorgang zu tun, sondern einzig und allein mit der Tageszeit der Verkostung dieser Wurst!
Rügenwalde in Hinterpommern1 galt schon Ende des 19. Jhd. als die Stadt der Wurstspezialitäten. Otto von Bismarck war nur einer von vielen prominenten Genießern zur damaligen Zeit. Verantwortlich für den Ruhm war nicht zuletzt auch der Hafen, der den regen Handel mit Wurstwaren möglich machte.
1834 gilt als das Gründungsjahr der Rügenwalder Wurstfabrik von Carl Müller. Sein Sohn, ebenfalls Carl Müller, trat in die Fußstapfen des Vaters und erfand um die Jahrhundertwende eine streichfähige Wurst, unnachahmlich im Geschmack. Durch eine aufwändige Zubereitung, bei der die Zutaten sehr fein zerkleinert werden, und eine natürliche Reifung entstand eine Wurst von hervorragendem Aroma, so herzhaft fein wie nie zuvor.
Wie zu damaliger Zeit üblich, gab es am Nachmittag Tee. Die Fleischermeister von Rügenwalde bevorzugten dazu einen herzhaften Imbiss und ließen sich statt süßer Backwaren die neuartige feine Streichwurst schmecken. Rasch entwickelte sich diese Wurstsorte zur ständigen Beigabe zum Nachmittagstee und so bürgerte sich nach und nach – auch außerhalb der Stadt Rügenwalde – der Name „Teewurst” ein.2
So, nun wisst ihr Bescheid! Wäre doch eine Idee, zum nächsten Kaffeekränzchen mal keine Süßigkeiten, sondern frische Brötchen mit Rügenwalder Teewurst zu reichen…
Auf der Webseite der Rügenwalder Mühle, dem Unternehmen, das die Teewurst um 1900 kreierte, fand ich vor einiger Zeit diesen hier zitierten Text. In der Zwischenzeit wurde die Webseite erneuert und diese Erklärung zur Namensgebung der Teewurst verschwand leider von der Webseite - zumindest habe ich sie nicht mehr entdeckt… ↩
1 Meine Wienreise war schon ein Erlebnis. Nicht nur, dass Wienein Wurstparadies ist - nein, es gibt dort auch ausgezeichnete Mehlspeisen und sonst allerhand traumhaft schmeckendes Süßes2. Als ich so durch den 1. Bezirk spazierte, dachte ich mir “Eine Kombination von Wurst und Süßem wäre ja was Tolles!”. Und prompt stand ich vor einer Confiserie3, in deren Schaufenster Marzipanwürste präsentiert wurden.
Daran konnte ich natürlich nicht vorbeigehen und so schaute ich mich drinnen ein bisschen um… Unglaublich! Dort gab es sogar 6 verschiedene Sorten an Marzipan-Würsten!Frankfurter/Wiener, Waldviertler, Currywurst, Thüringer und Nürnberger Bratwürste und Burenwurst gab es dort. Ich unterhielt mich ein bisschen mit der Wurstverkäuferin Süßwarenverkäuferin und sie erzählte mir, dass die Marzipanwürste - wie kann es anders sein - DER Renner sind, vor allem die Frankfurter/Wiener mit Kren/Meerrettich, Senf und Semmerl. Sie gehen weg wie die warmen Semmel/Brötchen. Ganz billig sind sie zwar nicht, sie kosten um einiges mehr als beim Wurststand, nämlich € 6,50, aber da man sie ja eh nicht auf einmal verschlingen kann, wer will schon einen Zuckerflash, hat man von ihnen länger etwas, als von “echten” Würsten. Außerdem bekommt man für den Preis eine anständige Portion - diese Marzipanwürste sind nämlich nicht klein…
Keine Frage, dass ich schwer beladen mit allen 6 Wurstsorten aus der Konfiserie kam, oder?!
(von links oben nach rechts unten): Eine Waldviertler, ein Paar Frankfurter/Wiener, eine Currywurst (wahrscheinlich die Beste in ganz Wien…) mit Pommes, Nürnberger Bratwürstchen, eine Thüringer Bratwurst und eine Burenwurst. Die verschiedenen Senfsorten passen, genauso wie der frischgeriebene sehr süßeKren/Meerrettich, bestens zu den Würstchen. Nur die Semmeln waren irgendwie nicht so knackig, aber egal.
Erwähnte ich schon, dass ich Marzipan liebe? Aber seht selbst… Weiter lesen…
Den Marzipan-Wurst-Tipp bekam ich von Robert Lender aus Wien… Danke dir dafür! War ein super Tipp! ↩
Wenn ich an die Zwetschgen- und Weichselstreuselkuchen denke, rinnt mir immer noch das Wasser im Mund zusammen… ↩
Die City Confiserie von Silvester Seba findet man in der Bognergasse 5, 1010 Wien - 5 Minuten vom Stephansdom entfernt. ↩
Kennt ihr das? Ein Geruch/Duft strömt in eure Nase oder ihr hört oder seht etwas und ganz plötzlich denkt ihr in diesem Moment an eine Person oder Situation, an die ihr schon länger nicht mehr gedacht habt, weil die Erinnerung daran irgendwo im Hirn abgelagert wurde und dort verstaubt1? Ich denke, das kennt jeder, oder?! Mir ging es so, als ich in Wien dieses Frühstücksbrett entdeckte. Sofort war ein Bild von meiner Oma und meinem Opa aus Berlin im Kopf, bei denen ich vor ewig langer Zeit immer von solchen Brettchen frühstückte. Oma sagte dann immer: “Willst du noch eine Butterstulle2?” Ich musste lächeln und war gleichzeitig ein bisschen traurig, als ich so spontan an das denken musste. Auf den Frühstücks-/Schneidbrettchen von meiner Oma waren damals keine Würste, sondern verschiedene Obstsorten, aber das Muster auf der Rückseite war genau das gleiche und auch das Material und die Größe waren identisch.
Dieses Frühstücks- bzw. Schneidbrettchen, das ich im Albertina-Museumsshop3 in Wien um € 9,90 kaufte, trägt den Namen “Für kleine Würstchen” ist 23,5 x 14,3 cm groß, 2mm stark, hitzebeständig bis 150 °C, abrieb- und sogar säurefest, lebensmittel- hygienegerecht und schnittfest ist es auch. Nur ganz scharfe Messer hinterlassen ihre Spuren. Was will man mehr?
Das Paar Frankfurter/Wiener auf dem Brettchen sieht so real aus, dass man die Würstchen am Liebsten gleich in die Hand nehmen und reinbeißen würde. Aber da das nicht geht, ist eines ganz gewiss: Es animiert zum Wurst essen und der Gedanke lässt einen nicht mehr los, bis man endlich ein Würstchen genossen hat… Guten Appetit!
Übrigens widme ich diesen Beitrag meiner Oma und meinem Opa aus Berlin!
Zur Erklärung für meine österreichischen Freunde: Eine “Butterstulle” - so sagt man im Norden Deutschlands, in Berlin - ist ein ganz normales Butterbrot… ↩
...die Wurst und alles, das mit dieser zu tun hat. Also Senf, Brot und Gebäck, Kunst, Literatur, Rezepte etc. - und nicht zu vergessen: der Spassfaktor kommt nicht zu kurz! [Mehr lesen...]