Kategorie: Geschichten

Metzger-Latein in der österreichischen Geschichte »

Vor kurzem hatte ich das Buch “Österreich - die gezeichnete Geschichte”1 von Bruno Haberzettl2 in der Hand. Wenn man in diesem Buch blättert, kommt man aus dem Lachen nicht mehr heraus. :-D Zusätzlich staunen musste ich auf Seite 65. Dort wird uns Metzger-Latein vom Feinsten aufgetischt!

Der Fleischer Josef Ettenreich mit seiner Spezial-SalamiEin Messerattentat auf Kaiser Franz Joseph kann dank Einschreitens eines couragierten Bürgers und Gottes Fügung gerade noch verhindert werden. Der brave Fleischermeister wirft sich todesmutig auf den Attentäter (ein hinterhältiges ungarisches Schneiderlein), um ihn auf der Stelle zu Salami zu verarbeiten! Als kleines Dankeschön gibt es für Wien die Votivkirche und für den Helden einen Adelstitel…3

Also, um bei der Wahrheit zu bleiben muss man schon sagen, dass das mit der “auf der Stelle zu Salami verarbeitet” echtes Metzger-Latein ist und das natürlich nicht stimmt, auch wenn der Gedanke daran schon amüsant ist. Aber sonst stimmt alles: das Attentat auf Kaiser Franz Joseph I. fand im Jahre 1853 statt, der Attentäter war der ungarische Schneider János Libényi und den todesmutigen Fleischhauer Josef Ettenreich, der daraufhin wirklich geadelt wurde, gab es auch.4 Metzger sind schon sehr mutige Leute! ;-)

Eine Frage tut sich allerdings schon noch auf, eine ganz prinzipielle Frage: Wenn das mit der Salami wirklich gestimmt hätte, wäre es dann eine ungarische Salami (weil ja ungarisches Fleisch verwendet wurde) oder wäre es eine österreichische Salami (weil sie in Österreich hergestellt wurde)? Was glaubt ihr?

Bruno Haberzettl: Österreich - die gezeichnete GeschichteAber nochmal zurück zum Buch. Du bist Deutscher und willst etwas über die österreichische Geschichte lernen? Dann ist dieses Buch absolut zu empfehlen! Aber auch für Österreicher, die im Geschichte-Unterricht in der Schule nicht aufgepasst haben, ist es wertvoll! So macht Geschichte lernen auf jeden Fall Spass, wie man schon am Cover des Buches erkennen kann. Auf den 3 Zeichnungen, die ihr am Cover sehen könnt, sieht man folgende österreichische Gestalten Persönlichkeiten: Weiter lesen…

  1. Das Buch “Österreich - die gezeichnete Geschichte” von Bruno Haberzettl erschien 2009 im Ueberreuter Verlag - kann auch bei Amazon bestellt werden, siehe Fussnote 8
  2. Bruno Haberzettl, geboren 1965 in Horn/Niederösterreich, ist seit 1990 freier Zeichner und Illustrator. Seit 1995 kreiert er die wöchentliche Karikatur in der sonntäglichen Kronen Zeitung.
  3. Quelle des Zitats: Seite 65 im besagten Buch.
  4. Quelle: Beitrag zu diesem Attentat auf Wikipedia.

Die “Murrmann”-Sage: Wurst & Katze als Retter in der Not »

Für das Wochenende habe ich diesmal eine amüsante und fast unglaubliche Geschichte für euch, nämlich die Sage vom “Murrmann”. Gefunden auf einer Sagen-Webseite1 und an uns weitergegeben von der Wurstakademie-Studentin Rikki. Danke für den Tipp!

In Bayern gibt es einen Ort namens Geiselwind2, der während des 30-jährigen Krieges durch eine Wurst und eine Katze vor der Plünderung und Verwüstung gerettet wurde. Unglaublich, aber wahr!

Der Murrman, die Wurst und die Katze als Denkmal in GeiselwindIm Dreißigjährigen Krieg hatte sich ein schwedischer General mit seiner Heeresabteilung vor Geiselwind gelagert, das damals hohe und starke Mauern und hinter diesen Mauern eine tapfere Bürgerschaft hatte. Dreimal ließ der General zur Übergabe auffordern. Die Bürger zauderten. Da rückten die feindlichen Haufen näher heran und machten Anstalten die Mauern zu erstürmen. Schon fielen draußen donnernde Schüsse, als die Vertreter der Bürgerschaft vom Rathaus kamen, wo sie beschlossen hatten, durch Abgesandte den feindlichen General nochmals um Gnade zu bitten. Sie gingen hinaus mit der weißen Fahne in der Hand. Das Belagerungsgeschütz schwieg und der General empfing sie in seinem Zelt, wo er eben im Begriff war, eine Wurst zu verzehren. Er hörte die Bürger an, wollte aber nichts von Bedingungen wissen; unbedingte Übergabe war es, worauf er bestand. Da riefen die Bürger aus: “Nun, so wolle uns Gott helfen, dass Ihr nicht in unsere Mauern kommt!” “So wahr ich diese Wurst in meinen Händen halte, komme ich hinein“, entgegnete der General.

Aber in demselben Augenblick sprang eine große Katze auf des Generals Schulter, schnappte ihm die Wurst aus der Hand und lief davon. Die Gesandten Weiter lesen…

26 Fragen zur Wurst - Schwierigkeiten am Würstelstand »

Diesen Dialog habe ich im Frühjahr im Standard gelesen1 und nun durch Zufall in der Standard-Onlineausgabe wiedergefunden. Daniel Glattauer2 hat uns freundlicherweise erlaubt, den Text auch hier zu veröffentlichen. Danke sehr - im Namen aller Wurstakademie-Besucher! Dieser Dialog darf einfach nicht im Archiv des Standard verstauben.

Ein typischer Wiener WürstlstandWer schon einmal Wien besuchte und bei einem echten Wiener Würstelstand, mit einem originalen Wiener  Wurstmann versteht sich, etwas bestellen wollte, hatte vielleicht die gleichen Schwierigkeiten wie Martin mit dem Wiener Slang und den vielen Entscheidungen, die da auf ihn zukamen. Der Wiener Dialekt wird ja von den meisten Nicht-Wienern - sowohl Deutsche, Schweizer als auch Österreicher von außerhalb Wien - wie eine eigene Sprache empfunden. Martin kommt aus Wels3 und wollte “eigentlich nur eine Currywurst bestellen”, wie er sagte.

Martin: “Bitte eine Currywurst.”
Wurstmann: “Wöchane Wurscht?”
Martin: “Eine Currywurst.”
Wurstmann: “Woidvierdler? Buren? Schoafe? Käsekrainer?”
Martin: “Äh, ah so, eine Käsekrainer, bitte.”
Wurstmann: “Aufschneiden? Zwa Höften? Im Gonzn?”
Martin: “Aufschneiden, bitte.”
Wurstmann: “Senf? Ketchup?”
Martin: “Ja.”
Wurstmann: “Wos? Senf? Ketchup? Beides?”
Martin: “Bitte Senf.”
Wurstmann: “Wöchan? Siaß? Schoaf?
Martin: “Einen süßen, bitte.”
Wurstmann: “Drauf oder daneben?”
Martin: “Äh, daneben, bitte.”
Wurstmann: “Schwoazbrot? Scherzl? Semmö? Soizgebäck?”
Martin: “Salzgebäck, bitte.”
Wurstmann: “Wöchans?”
Martin: “Ein Salzstangerl, bitte.”
Wurstmann: “Gurkerl? Pfeffaroni?”
Martin: “Nein danke.”
Wurstmann: “Wos zum Trinken?”
Martin: “Ja, ein Cola bitte.”
Wurstmann: “Na hearns, Sie san ma oba ka Hüf! - Dosn oder Floschn?”4

Alles verstanden? Falls nicht - was ich bei den meisten Lesern annehme - gibt’s hier die Übersetzung ins Deutsche und eine Auswahl von Büchern von Daniel Glattauer: Weiter lesen…

  1. Printausgabe der österreichischen Tageszeitung “Der Standard” am 15.3.2008
  2. Daniel Glattauer ist seit 1985 als Journalist und Autor tätig und schreibt seit 1989 für den Standard Gerichtsreportagen und Kolumnen. Hier gehts zu seiner Webseite und hier zu seinen geschriebenen Büchern auf Amazon
  3. Eine Stadt in der Nähe von Linz in Oberösterreich
  4. Quelle: 26 Fragen zur Wurst im Online-Standard

Kren/Meerrettich und zwischenmenschliche Konflikte »

Wie (fast) alle Österreicher/Bayern und Deutsche wissen, gibt es bei dieser scharfen Beilage sprachliche Unterschiede. Die meisten Berliner werden mit dem Wort “Kren” nichts anfangen können und der größte Teil der Salzburger nichts mit dem Wort “Meerrettich”.

Kren in Österreich/Bayern, Meerrettich in DeutschlandZu den sprachlichen Wurzeln der beiden Wörter gibt es folgendes zu sagen: Meerrettich hat nach Heinrich Marzell, deutscher Botaniker *1885 +1970,  tatsächlich mit dem Meer zu tun hat. Meerrettich ist für ihn “der über das Meer gekommene Rettich”, was auch die Tatsache unterstützt, dass Meerrettich auch an Meeresküsten wächst. Laut etymologischen Duden ist die Meinung von Marzell eine spätere Umdeutung. Meerrettich ist, laut Duden, ganz einfach ein “größerer Rettich”. Der Wortteil “meer” ist eine Verwandlung von “mehr” in Sinne von “groß”, wie es im Althochdeutschen verwendet wurde. Und das Wort Kren, das in Österreich und Bayern verwendet wird, ist ganz einfach ein Lehnwort aus dem slawischen Sprachraum. Der Wortstamm kommt vom slawischen “krenas” - was soviel wie Weinen, Greinen, Flennen bedeutet.

Kren/Meerrettich ist nicht nur für Schweißperlen auf der Stirn und Atemnot verantwortlich, sondern auch für zwischenmenschliche Konflikte, wie folgende (wahre) Geschichte veranschaulicht:

Die Originalnase von Frau BerlinEs war einmal ein Tiroler und eine Berlinerin, die sich kennen und lieben gelernt haben - Frau Berlin und Herr Tirol*. Kurz nach der Hochzeit, es war in der Osterzeit, besuchten beide die Eltern von Herrn Tirol. Zu Ostern ist es Brauch im Tiroler Land Geselchtes (=Geräuchertes) mit Kren zu essen. Frau Berlin fragte beim Essen, was denn das da in dem Glas sei - so gerieben schaut es fast aus wie Parmesan. Daraufhin Herr Tirol: “Das ist Kren.” Frau Berlin konnte als Deutsche nichts mit diesem Wort anfangen. Also machte Herr Tirol den Vorschlag, sie soll doch einmal daran riechen, dann weiß sie sicher was das für eine Köstlichkeit ist. Gesagt getan, nahm Frau Berlin das Glas, steckte die Nase ins Glas und roch daran. Dummerweise nicht nur ein bißchen, sondern recht kräftig. Weiter lesen…