Kategorie: Wurstkultur in Österreich

“Soziales & Wurst” oder “Willst du eine Krise” »

Die Karte zum Projekt "Soziales & Wurst"Genau so will ich die Wurst sehen - kulturell eingebettet. Vom 9. Juli bis zum 8. August 20091 findet in Innsbruck ein prozessorientiertes Projekt statt. Initiator ist kein geringerer als Patrick Baumüller von den uns schon bekannten Wursthaberern und betrieben wird das Projekt von der Tiroler Künstlerschaft2.

Worum geht es bei diesem Projekt? Der Vorstand der Tiroler Künstlerschaft gestaltet mit unterschiedlichen Gästen eine frei zugängliche Diskussionsrunde an der großen Tafel in der Stadtturmgalerie. Mit wechselnden GastgeberInnen wird das Thema “Zukunft der Kunst und deren Arbeits- und Kommunikationsweisen” von verschiedenen Perspektiven aus diskutiert. Besonders die zunehmend immer schwieriger werdende Situation für Kunstproduzierende und die öffentliche Förderpolitik sollen bei diesen Diskussionen thematisiert werden. Aktive Beiträge der Besucher sind natürlich erwünscht, jedoch keineswegs verpflichtend. Also keine Hemmungen, einfach hingehen und mal was anderes erfahren und erleben.
Die Gäste und Themen des Tages werden auf der Webseite der Tiroler Künstlerschaft veröffentlicht.

Und was hat nun die Wurst damit zu tun? Abgesehen davon, dass Patrick von den Wursthaberern der Initiator der Veranstaltung ist, soll die Wurst - als günstiges Lebensmittel - symbolisch das Diskussionsthema unterstreichen und natürlich für Gaumenfreuden sorgen. Die Wursthaberer haben dafür sogar eine eigene Wurst kreiert. Wenn ihr die Überschrift nochmal durchlest, erratet ihr sicher, wie der Name der Wurst lauten wird. Ganz genau: sie wird passenderweise “Krise” genannt. :-)

Ich freu mich auf jeden Fall auf die Veranstaltung und werde sicherlich das eine oder andere Mal dabei sein. Ein Höhepunkt wird für mich mit Sicherheit die Frage sein: “Willst du eine Krise?“. Und meine Antwort wird lauten: “Auf jeden Fall! Aber warum nur eine?“. :-D

Und hier noch das Originaltitelblatt der Einladungskarte: Weiter lesen…

  1. Und zwar jede Woche von Mittwoch bis Samstag von 15:00 bis 23:00
  2. Zur Webseite der Tiroler Künstlerschaft. STADTTURMGALERIE, Herzog-Friedrich-Str. 21, 6020 Innsbruck, Austria, Tel: +43.(0)512.578154

Künstlerische Wiener Wurstkultur: Die Wursthaberer »

Das Logo der WursthabererPatrick Baumüller1, Severin Hofmann2  und Heribert Reich3 haben 2005 das Projekt “Wursthaberer” ins Leben gerufen. Erstaunlich ist die Herangehensweise ans Thema Wurst. Denn die 3 sind nicht etwa Metzger, sondern sie sind Künstler bzw. Lehrer. Den ersten großen Auftritt Der "Wurststand" der Wursthaberer, Secession, Wien 2007hatten sie 2007 am Gelände der Secession in Wien.4 Dort gestalteten sie einen temporären Wurststand, den man eigentlich nicht so nennen darf. Es war ein Kunstwerk, ein Wurststand-Kunstwerk! Und dort verkauften sie keine alltäglichen Würste und Senfe, sondern sie brachten die selbst kreierten Wurst- und Senfsorten unters hungrige Volk.

Die 3 Wursthaberer5 beschreiben ihr Projekt selbst so:

Die drei Wursthaberer“Auf der Suche nach der richtigen Gewürzmischung in unserem Künstlerleben, verschlug es uns in die heiligen Hallen des Wurstmachens. Die Bekanntschaft mit Heribert Reich ergänzte unseren künstlerischen Schwerpunkt um die genauso wichtige Feinschmecker-Leidenschaft, wie sie für ein kreatives Arbeiten mit Lebensmitteln Voraussetzung ist. Es geht hier aber nicht bloß um die gemeine Speisenzubereitung! Vielmehr ist es die sozio-kulturelle Interaktion mit den beteiligten Menschen, das Streben nach besserer Lebensqualität, das Erforschen der wirtschaftspolitischen Zusammenhänge, sowie der Einblick in die, bis dato fremde, Produktionstechnologie - und zuguterletzt natürlich eine ordentliche Portion Spass, die uns dem ästhetischen und geschmacklichen Thema der Wurst nähergebracht haben.”

Nun alles klar? Eine spannende Sache, wenn man bedenkt, dass sie weder Metzger noch Senfmüller sind, und doch sehr leckere Würste und Senfsorten produzieren. Ich durfte alle schon probieren! :-) Aber wie man sich denken kann, sind es keine allseits bekannten Produkte, die die 3 Haberer produzieren. Nein, es sind ganz Spezielle - wie die Namen schon andeuten: Lady Thai, Paprikalypse Now, Käsmopolitän und Angus Dei die Wurstsorten und Maestroso, Firestarter und Blue Tooth die Senfsorten!

Die Kurzvorstellung der 4 Wurstsorten:

  • Lady ThaiLady Thai: Die etwas andere Weißwurst! Eine spezielle Gewürzmischung, Kokosnussmilch, Limettensaft, Zitronengras und Koriandergrün verleihen der Wurst eine raffinierte asiatische Frische.
  • Paprikalypse NowPaprikalypse Now: Eine sehr schlanke und scharfe Wurst mit mexikanischem Chili und gemahlenem Wacholder. Zuerst merkt man die feine Schärfe gar nicht wirklich. Diese kommt Weiter lesen…
    1. Patrick ist Künstler in Wien. Zu seiner Webseite gehts hier entlang. Und auf artfacts.net gibt’s eine Übersicht über seine bisherigen Ausstellungen für alle, die es etwas genauer wissen wollen.
    2. Severin ist ebenfalls Künsler. Er hat sich in letzter Zeit vermehrt dem Web-Design verschrieben. Hier auf artfacts.net mehr zu ihm und seine Ausstellungen.
    3. Und Heribert ist Lehrer von Beruf und hat Philosophie und Theologie studiert. Da sein Vater Metzger ist, passt er natürlich schon alleine deshalb bestens zu den Wursthaberern.
    4. Mehr dazu zu lesen gibt es direkt auf der Webseite der Secession.
    5. Du weißt nicht was ein “Haberer” ist? Bitte sehr: Haberer, der: Freund, Kamerad, Kumpl. Somit heißt “Wursthaberer” Wurstfreunde. Beispielsatz: Er kummt immer mit seine Hawara (so spricht man Haberer aus) = Er kommt immer mit seinen Freunden.

Salzburger Kinder und die Wurst »

Kind mit seinem ersten FrankfurterSobald Salzburger Kinder nicht mehr an der mütterlichen Milchbar nuckeln, werden sie auf Wurst geeicht. Das heißt im Klartext, dass man mit Ihnen an einen der Salzburger Märkte geht oder besser gesagt, sie im Kinderwagen dorthin schiebt. Dort wird ein Einspänner bestellt und nun beginnt sie - die Salzburger Wurstkultur. Dazu die gebürtige Salzburgerin Silvia:

“Als Salzburger Stadtkind beginnt die Ausbildung zum Wurstfeinschmecker bzw. zur Wurstfeinschmeckerin im frühen Kindesalter, wie Prof. Wurst so treffend beschreibt. Das Einkaufen auf den zwei schönsten Märkten in Salzburg1, dem Grünmarkt am Universitätsplatz2 und die Schranne am Mirabellplatz3 ist untrennbar mit einem Besuch an einem der Würstlstände verbunden.
Die erste Begegnung mit den Salzburger Würstl am GrünmarktSchon etwas älter, aber schon wurstabhängigDie erste Lektion beginnt mit einer Frankfurter, die von den Eltern oder Großeltern liebevoll für das Kind ein Stück geschält wird - d. h. von Wursthaut befreit wird - und mit dem ungeschälten Ende dem Kind in die Hand gedrückt wird. Das Geschmackserlebniss dieser warmen weichen milden Wurstmasse lässt bald die Mutterbrust vergessen. Das ist der Beginn einer nie enden werdenden Liebe für Würstl, allerdings nur für wirklich Gute. Denn, was an Salzburger Würstlständen geboten wird ist 1A-Qualität, sowohl die Wurst als auch das Gebäck.
Würstlbegeistert und FussballbegeistertHerangewachsen hat dann jeder oder jede WürstlfeinschmeckerIn seinen Liebligswürstlstand inklusive Lieblingswürstl mit speziellem Gebäck. Wenn es vorkommt, dass man später als Salzburger WurstfeinschmeckerIn das Land verlässt und in die große Welt hinaus zieht, dann ist man ewig und meist erfolglos auf der Suche nach dieser vertrauten Wurstkultur. Deshalb ist bei jedem Heimatbesuch in Salzburg Würstlessen am favorisierten Würstlstand eine Pflicht!”

Tja, es gibt wohl keine Stadt, in der die Kinder schon so früh auf Wurst getrimmt werden wie in Salzburg! Danke dir, meine liebste Silvia, für diesen schönen, informativen und gegenderten4 Beitrag!