St. Johanner/Sainihånser - die Wurst aus Tirol
Von Prof. Wurst et al. am Sep 11, 2008 in Wurst
Die St. Johanner haben die Ehre, hier als erste Wurst ihren Auftritt zu haben - schließlich ist die “Zentrale” der Wurstakademie ja in Tirol. Dazu hat Mag. Peter Fischer, der in der Gemeinde St. Johann in Tirol1 für Kultur zuständig ist und auch im Vorstand des Museumsvereines2 in St. Johann tätig ist, einen spannenden Gastbeitrag geschrieben:
Die St. Johanner Würstl werden in St. Johann schlicht “Sainihånser”3 genannt. Sie sind stärker geräucherte Schweinswürstl, die nach einem einst streng gehüteten Rezept hergestellt wurden und in ihrer Form etwas länger und dünner sind als etwa herkömmliche Frankfurter/Wiener Würstl. Durch diverse Bestimmungen des Lebensmittelgesetzes musste das Rezept schließlich der Innung bekannt gegeben werden und es durften keine Schweineschwarten mehr verwendet werden, wodurch sich der Geschmack etwas änderte. Inzwischen produziert eigentlich jede Metzgerei in unserer Gegend St. Johanner Würstl, jedoch teilweise nach variierenden Rezepten, die sich somit auch im Geschmack stark unterscheiden können.
Die “Sainihånser Wischtl” wurden vor etwa 100 Jahren von Josef Seibl erfunden, dem Wirt des Gasthauses zum Seisl am St. Johanner Hauptplatz. Links auf dem Foto sieht man den Hauptplatz von St. Johann und ganz rechts den Seislwirt wie er vor 100 Jahren ausgesehen hat. Von Josef Seibl existiert leider kein Bild. Nach dem zweiten Weltkrieg wurden die St. Johanner dann von der Metzgerei Nothegger produziert, sodass die Würstl in unserer Region manchmal auch “Nothegger-Wischtl” genannt wurden. Die Metzgerei wurde aber in den 1990er Jahren geschlossen, und so ist jetzt wieder der ursprüngliche Ausdruck “Sainihånser Wischtl” bzw. “Sainihånser” geläufig.
Ähnlich wie eingefleischte Münchner eigene Rituale und Gesetze für den korrekten Verzehr ihrer Weißwürste haben, werden die “Sainihånser” original
mit “Sainihånser Krensenf”4, frisch gerissenem Kren/Meerrettich und einem “Bitschei”5 gegessen. Jegliche andere Kombinationen der Würstl mit Estragonsenf6, Senfragout und dergleichen sowie das Weglassen von frisch gerissenem Kren oder die Zugabe von anderen Gebäcksorten wie Laugenbrezen etc. sind in St. Johann absolut verpönt und entsprechen auch nicht der Tradition. Lediglich Schwarzbrot ist anstatt der Semmel erlaubt. In jüngerer Zeit ist leider zu entdecken, dass die Würstl manchmal auch gebraten angeboten werden, was überhaupt nicht der Tradition entspricht, da die originalen “Sainihanser” im heißen Wasser ziehen müssen.
Ich denke, nun kennt sich jeder aus mit den St. Johanner Würsten. Allen, die touristisch in diese Region kommen, empfehle ich diese Wurst zu testen, aber nicht vergessen: nicht gebraten, mit Kren und Semmel, ansonsten wieder zurückgeben!
Ein großes Dankeschön an Herrn Fischer fürs Schreiben und an Klaus Brindlinger7 für die Würste.
- Die Region um die Marktgemeinde St. Johann i.T. ist sowohl im Sommer als auch im Winter für Touristen überaus attraktiv. Hier geht’s zur Webseite der Marktgemeinde St. Johann, hier zur Kurzfassung auf Wikipedia und hier zur Tourismusseite der Ferienregion St. Johann in Tirol ↩
- Dieses Museum ist auf alle Fälle einen Besuch wert. Hier gehts zur Webseite des Museums. ↩
- “Sainihåns” ist übrigens der regionale Dialektausdruck für die Bezeichnung des Ortes St. Johann in Tirol ↩
- Ein Beitrag über diesen Senf folgt… ↩
- “Bitschei” wird im St. Johanner Dialekt die Semmel/Brötchen genannt ↩
- Alle eingefleischten St. Johanner mögen mir verzeihen, dass ich die Fotos mit Estragon-Senf gemacht habe! ↩
- Metzgerei Brindlinger in Rum bei Innsbruck. Die Fotomodels haben ausgezeichnet geschmeckt… ↩








jetzt würde mich gerade noch interessieren wie man “Sainihånser” und “Bitschei” ausspricht.
Gibt es keinen Unterlandler der eine MP3-basierte Dialektkonserve zur Verfügung stellen würde? Gilt natürlich auch für Unterlandlerinnen
Ohne diese Hilfe würde ich in St. Johann wahrscheinlich nichts bestellen können
So long…
Mike
Bestellen kannst schon, nur bekommen wirst nichts.
…mich würde interessieren wie ich hier im Rheinland an diese schmackhaften Würstel komme , gibt es Bezugsquellen oder Händler im Internet ?
Danke im Voraus und Gruß
Andreas
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