Vorlesung 13: Wurst und Op-Art

Wurstkunst und Op-ArtDas Wichtigste auf einen Blick:
wurstarrow2.gifEntstehung um 1960 Anfang der 1920er Jahre
wurstarrow2.gifBeruht auf linearen Strukturrastern und der Farbperspektive
wurstarrow2.gifOptische Illusion durch musterähnliche Wiederholung geometrisch-abstrakter Motive
wurstarrow2.gifVisuelle Wahrnehmung ist von Interesse
wurstarrow2.gifMalerei, Plastiken
wurstarrow2.gifz.B.: Victor Vasarely, Bridget Riley, Henryk Berlewi1

Unsere letzte Vorlesung ist Ewigkeiten her - es ging um Pop-Art. Naja, das Sommersemester verlief lehrmäßig nicht ganz so rund, wie man es sich wünschen würde. Aber so ist das manchmal auf der Uni. Man steht vor dem Hörsaal und es hängt ein Zettel an der Tür, das die Vorlesung kurzfristig ausfällt und man ärgert sich grün und blau, dass man extra hergekommen ist und der Tag auseinander gerissen wurde. Wie auch immer, wir machen nun mit der Vorlesung an unserer Sommer-Uni weiter, für diejenigen Studenten, die auch in den offiziellen Ferien was lernen wollen…

Die unendlich lange Wurst von Peter KoglerOp-Art ist eine Abkürzung für “optical Art” - d.h. es ist eine Kunstrichtung, die mit der optischen Wahrnehmung des Betrachters spielt. Das kann man sich so vorstellen, dass geometrisch abstrakte Farb- oder schwarz-weiß-Muster und -figuren Bewegungs- und Flimmereffekte hervorrufen.

Bis heute ist nicht wirklich geklärt, wer der eigentliche Gründer dieser Kunstrichtung ist. Einerseits wird gesagt, dass Op-Art sich um 1960 in den USA entwickelte. Die erste große Op-Art-Ausstellung im New Yorker Museum of Modern Art2 präsentierte 1964/65 vor allem Arbeiten von Victor Vasarely in der Ausstellung “Responsive Eye”. Aber andererseits gibt es da noch den Polen Henryk Berlewi, der auf Grund dieser Ausstellung nach New York flog und den Amerikanern zeigte, dass er schon Anfang der 20er Jahre so gemalt hat. Da staunten die Amerikaner nicht schlecht, als das “aufgedeckt” wurde. Horst Richter, ein bedeutender Historiker des Konstruktivismus, schrieb über Vasareley folgendes:

Seiner darstellerischen Methode nach kann er sich als Neukonstruktivist nennen. Aber versucht doch nur, die Erfindungen der Altkonstruktivisten, etwa die Mechano-Fakturen eines Berlewi auf aktuellen Hochglanz zu bringen. Er fügte hinzu: „Vasarely ist der Typ des hochgespielten Malers, dessen schöpferische Qualitäten im umgekehrten Verhältnis zu seinem gesteuerten internationalen Renommée stehen.“ (…) Undenkbar, dass Vasarely – schon seinem Werdegang nach (Schüler von Moholy-Nagy!) – Berlewis Ideen nicht erkannt haben sollte! Wäre es eine Schande, das zuzugeben? Freilich – der Marktwert einer „Neu-Erfindung“ sinkt wenn das Original entdeckt wird.3

Das Kunstwerk auf dem Foto oben rechts ist in den Innsbrucker Rathaus-Galerien4 zu bestaunen. Ich bin mir zwar nicht 100%ig sicher, ob der Künstler, Peter Kogler5, das in die Schublade “Op-Art” stecken würde, aber ich tue es nach der Definition, dass es mit der Wahrnehmung des Betrachters spielt. Und außerdem hat es ja viel mit dem Thema der Wurstakademie zu tun - schließlich wird eine unendlich lange Wurst “präsentiert”. ;-)

Alles in allem eine Kunstrichtung, die mir persönlich sehr gefällt - und die “Entstehungsgeschichte” ist auch mal was anderes :-D !

Ich wünsche euch ein paar schöne Tage bis zu unserer nächsten Vorlesung an unserer Sommer-Uni, in der das Thema “Minimal-Art” behandelt wird. Bis dahin wünsche ich euch viel Spass beim Lernen!

Die Übersicht zu den schon behandelten Epochen/Themen gibt es auf der Einführungsseite der Vorlesung.

  1. Diese drei Künstler auf Wikipedia: V. Vasarely, B. Riley, H. Berlewi
  2. Zur Webseite des MoMA - Museum of Modern Art
  3. Quellen: Wikipedia über Op-Art, g26.ch über Op-Art
  4. Hier geht es zur Seite der Rathaus-Galerien in Innsbruck und hier noch eine Seite, auf der es um die Kunst im Rathaus geht.
  5. Zu Peter Koglers Webseite
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6 Kommentare bisher | Gib deinen Senf dazu...

Comment von Martin
2009-07-10 14:07:49

Ganz schön beeindruckend diese unendlich lange Wurst. Da sollte man doch glatt einmal in Innsbruck vorbeikommen, um diese zu sehen…
Gruß aus Prag

Comment von Prof. Wurst
2009-07-15 17:44:56

Komm vorbei, Martin - Innsbruck und die wunderschönen Berge rundherum sind immer einen Besuch wert…
Beste Grüße nach Prag,
Prof. Wurst

 
 
Comment von Johannes
2009-07-12 17:18:36

Unglaublich was es alles gibt. Vielen Dank für den Beitrag, wieder etwas gelernt!

Comment von Prof. Wurst
2009-07-15 17:45:48

Gern geschehen! :-) Beste Grüße,
Prof. Wurst

 
 
Comment von S. aus H.
2009-07-14 17:29:16

Ha, die ewig lange Wurst habe ich schon öfter live gesehen in Innsbruck. Das Lustige daran ist, dass ich wirklich schon mal gedacht habe, dass das was für die Wurstakademie wäre… Amüsant zu sehen, dass die Unendlich-Wurst nun wirklich hier zu sehen ist…
Grüße von S. aus Hall ;-)

Comment von Prof. Wurst
2009-07-15 17:53:31

Hallo S.,
Gut, dass ich nicht der Einzige bin, der das mit der Unendlich-Wurst so sieht. Den meisten Besuchern der Rathaus-Galerien fällt dieses Kunstwerk gar nicht auf - schön, dass du es auch schon live gesehen hast. Ich bin mir zwar nicht sicher, ob der Künstler Peter Kogler das genau so sehen würde, dass das eigentlich eine Wurst darstellt - aber naja, wer weiß. ;-) Liebe Grüße und bis bald wieder,
Prof. Wurst

 
 

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