Warum platzt die Wurst immer der Länge nach?
Von Prof. Wurst et al. am Feb 13, 2010 in Wurstwissenschaftliches
Heute geht es wieder mal wissenschaftlicher zu an der Wurstakademie - nach diesem Artikel wird euch der Kopf rauchen.
Wahrscheinlich, nein ziemlich sicher, hast du dich auch schon öfter gefragt, warum eine Wurst immer der Länge nach aufplatzt - auf dem Foto rechts ist mir “versehentlich”
eine Pustakrainer geplatzt, natürlich der Länge nach. Ab und zu passiert das, vor allem, wenn man nicht weiß, welche die ideale Temperatur zum Wurst erhitzen ist und die Würste aus diesem Unwissen heraus in kochendes Wasser gibt. Vor einiger Zeit habe ich den Wurststudenten Mike gebeten, sich diesem Thema zu widmen. Und nun war es soweit: Vor ein paar Tagen übergab er mir seine Arbeit. Diese will ich dir natürlich nicht vorenthalten und möchte sie hier zusammengefasst präsentieren! Und los geht’s:
Warum platzt die Wurst immer der Länge nach? Erhitzen wir eine Wurst, so steigt klarerweise der Innendruck (pi). Da Druck die Kraft pro Flächeneinheit ist, auf die sie wirkt, können wir die wirkenden Kräfte ermitteln.
Diese Kräfte wiederum “ziehen” am Querschnitt der Wursthaut. Dies nennt man Spannung. Wird genau diese Spannung größer als die zulässige Spannung der Wursthaut, dann wird diese reißen! Und nun schauen wir uns auf der linken Seite an, wie die Kräfte und Spannungen in Längsrichtung auf ein Wurstrad wirken und auf der rechten Seite wie sie in Querrichtung auf ein Wurstrad wirken:
Und das leiten wir nun ab. In Formeln ausgedrückt schaut das nun so aus:

“Spannungstechnisch” gesehen sieht unsere Wurst nun so aus:
Aus den vorigen Ableitungen haben wir nun folgende Ergebnisse:

Durch nochmaliges “Umformeln” ergibt sich Folgendes:

CONCLUSIO:
Die Spannung in der Wursthaut ist in der Querrichtung immer doppelt so hoch wie in der Längsrichtung. Daher reißt die Wurst immer der Länge nach, d.h. in Querrichtung!
Eigentlich ganz einfach, oder?!
Auf jeden Fall herzlichen Dank, Mike, für diesen technisch, physikalisch angehauchten Beitrag! Ich denke, du hast die “Prüfung” bestanden und wirst ein Assistent von mir…









Ihr seid wirklich krank, das wollte ich nur mal anmerken. Aber mir gefallen kranke Leute!
Grüße aus Berlin!
Hallo Markus,
Wie kommst du darauf, dass wir krank sind? Gut, ich lag vor Kurzem krank im Bett, aber ich bin wieder gesund und alles ist bestens!
Wie auch immer,
Beste Grüße nach Berlin!
Prof. Wurst
hat mich echt verwundert, dass man das thema so mathematisch angehen kann, aber da die wissenschaft “alles” ist, passts ja!
Hallo Fabian,
Beste Grüße,
Man kann absolut alles mathematisch angehen… Habe ich in der Schule von meinem Mathe-Lehrer immer zu hören bekommen. Damals dachte ich, der Typ spinnt - aber ich sehe nun im Alter: wo er recht hatte, hatte er recht!
Prof. Wurst
Lieber Prof. Wurst,
ganz groß! Und natürlich viel Größer als eine ausgedehnte Wurst!
Macht weiter so.
Ihr
Wurststudent Martin
PS: Schon mal Wissenschaftssendungen angeboten?
Hallo Martin,
Beste Grüße,
Wir werden so und noch besser weiter machen! Und an Wurstwissenschaftssendungen haben wir auch schon gedacht… Kommt Zeit - kommt Wurstsendung…
Prof. Wurst
Der ohmsche Widerstand einer Bockwurst
In grauer Vorzeit - vor gefühlten 1769 Jahren - habe ich eine Lehre als Feingeräte-Elektroniker absolviert.
Es galt u.a. den elektrischen Widerstand verschiedener Materialien zu erforschen.
Forschungsgegenstand waren u.a. auch handelsübliche Bockwürste.
Meßaufbau: gleichzeitige Messung von Spannung und Stromstärke unter Verwendung der Stromfehlerschaltung (eine Abweichung des tatsächlichen Stromwerts von 0,002 A gilt als vernachlässigbar)
Gemessen wurden: Spannung U = 230 V, Stromfluß I= 4A.
Nach der Formel R= U/I ergibt sich für eine durchschnittliche Bockwurst ein Widerstandswert von ca. 55 Ohm.
Anmerkungen am Rande:
1. Benutzen Sie für solche Versuche unbedingt einen Trenntrafo! NICHT direkt ans Netz anschliessen!
2. Die Bockwurst ist nach ca. 5 Sekunden heiss, platzt nach ca. 10 Sekunden in ca. 5000 kleine Teile und versaut ca. 50% der ganzen Werkstatt.
Das ist kein Witz, sondern erporbte Realität!
:o)
Hallo Bernd!
Danke für diese so ausführliche Experimentbeschreibung… Das werden wir auch mal ausprobieren und den Bericht darüber an der Wurstakademie präsentieren…
Beste Grüße,
Prof. Wurst
Der Kommentar von Bernd “Senfheimer” erinnert mich an einen Foto-Fund, den ich vor einer Weile machte:
Irgendwo in Russland gibts jemand (einen elektronikfreak), der seine Würste so aufheizt: in jedes Ende eine Gabel, an diese solche Labor-Kabel anklipsen, diese DIREKT in die Steckdose (soweit ich das verstanden hab nach den Fotos).
Zur Kontrolle steckte er Leuchtdioden in die Wurst… die dann lustig leuchteten… So macht er sich seinen Imbiss bei der Arbeit.
ich glaube er erzählte auch einiges von einer Explosionsgefahr… (wie oben berichtet).
Das mit dem Widerstand und der Wurst auszutesten, find ich herrlich verrückt.
Vielleicht sollte man anfangen, mal so eine komplexere elektrische Schaltung aus/mit Würsten zu machen?? Das wär doch mal ein interessantes Experiment … oder?
Grüße, auch von Metti,
Monika
Hallo Monika,
Beste Grüße,
Mit Sicherheit ist das ein interessantes Experiment… Das werden wir schon mal durchführen…
Prof. Wurst
Ich kann bestätigen, dass dieses Verfahren in den 60er Jahren im Internat einer Landesberufsschule für Radio- und Fernsehtechniker gebräuchlich war. (Man war dort für jeweils 3 Wochen “interniert”, bei sehr bescheidener Kost.) Nach meinen Berechnungen wird eine Wurst von obigen 55 Ohm mit ca. 1000 W erhitzt, so dass der Dampfdruck sie nach wenigen Sekunden zerplatzen lässt.
Das Verfahren lässt sich wesentlich verbessern, wenn man eine Glühbirne (Nachttischlampe) von 40 - 200 W zur Leistungsbegrenzung mit der Wurst in Reihe betreibt (”Serienschaltung”).
Ich rate von eigenen Experimenten jedoch dringend ab! Fernsehtechniker waren seinerzeit mit der Arbeit an offenen, Netz- und Hochspannung führenden (Röhren-)TV-Geräten vertraut. Wer solche Kenntnisse nicht besitzt, begibt sich in Lebensgefahr!
Werner
Hallo Werner,
Leuchtet dann die Glühbirne eigentlich? Und man sollte die Wurst wahrscheinlich nicht berühren, oder?
Ich bin fasziniert, dass es doch mehr Personen gibt, als ich dachte, die solche elektrischen Wurstexperimente machen…
“Das Verfahren lässt sich wesentlich verbessern” ist gut!
Fragen über Fragen an unsere so technisch und elektronisch versierten Wurststudenten…
Beste Grüße,
Prof. Wurst
Nachtrag:
Das von Monika beschriebene Experiment (und weitere) findet man auf YouTube:
http://www.youtube.com/watch?v=hvS6bOKLhFs&feature=related
Werner
Danke für den Link!
Sehr geehrter Herr Professor,
das hat der Mike ja wirklich gut hinbekommen. Aber wie die Wissenschaft so ist. Wenn eine Frage beantwortet ist, dann kommt schon die nächste.
Sie haben nämlich das Problem ganz schön vereinfacht.
Wie jeder auf dem Foto sehen kann ist die gemeine Wurst ganz schön gekrümmt. Und wie man sieht an der Innenseite aufgerissen.
Aber muss das sein? Ist das immer so?
Ist vielleicht so, dass gekrümmte Würste im allgemeinen leichter reißen? Oder reißen gerade Würste leichter?
Gerade bei der Weißwurst ist das ja eine Katastrophe.
Könnte man tausenden verzweifelten Lehrlingen helfen, die Freitag morgens den Zorn ganzer Werkstätten fürchten müssen (wenn die Würste mal wieder aufgeplatzt sind) indem man eine nach DIN genormte gerade Weißwurst einführte?
Das wäre doch eine schöne Doktorarbeit für weitere Forschung!
Hallo Wurstfinger!
Neinnein, so “ganz schön vereinfacht” hab ich das Problem gar nicht… Wie ich soeben gesehen habe, hat vor ein paar Minuten der “Wurstman” auf deine Fragen geantwortet. Besser könnte ich es auch nicht beantworten!
Also am besten liest du das folgende Kommentar…
Beste Grüße,
Prof. Wurst
Hallo Wurstfinger,
ich denke mal, da schon eine logische Hypothese zu haben:
Diese Wurst am Bild konnte eigentlich nur an der Innenseite reissen, da ja die Spannung als Kraft / Fläche auf die diese wirkt definiert ist. (Sigma = F/A)
Wenn ich nun obige Legende verwende, ist die Fläche, auf die die Tangentialkräfte wirken die Wurstradlänge (wl) x die Wursthautdicke (s).
Da die Wurstradlänge aussen länger ist als auf der Innenseite ist ja die Fläche, auf die die Kräfte wirken aussen auch größer.
Somit ist bei der größeren Fläche die Spannung geringer als bei der kleineren Fläche auf der Innenseite.
Folglich MUSS die gebogene Wurst (bei gleichförmiger Hautqualität
) ja auf der Innenseite reissen, oder?
lg
Wurstman
Hallo Wurstman,
Beste Grüße!
Herzlichen Dank, dass du dir da so tolle Gedanken gemacht hast und sie hier gepostet hast. Ich glaube, jetzt gibt’s dann wohl keine offenen Fragen mehr…
Prof. Wurst
Na super. Also Wurst in Serie mit Glühlampe, tolle Idee. Die Lampe hat einen sehr kleinen Kaltwiderstand, leuchtet die Lampe bei größer werdendem Strom in der Wurst, wird sie immer hochohmiger und es fällt immer mehr Spannung an der Lampe ab. Amar Bose, der geniale Lautschrecherentwickler hat schon vor Jahren Sofitten, (Automobilanwendung) in Serie mit den Lautsprechern verbaut. Bei hoher Belasatung sah man das Licht der Sofitte im Bandpass- Sub-woofer.
Hallo Wurstmann,
die Hypothese finde ich interessant, aber irgendwie nicht ganz schlüssig.
Du gehst davon aus, dass auf Schnittline auf der Außenseite der Wurst in Summe die gleiche Kraft wirkt, wie auf die Innenseite.
Das kann nicht sein!
Denn:
Verursacht wird diese Kraft doch durch den konstanten Innendruck der Wurst.
Druck ist Kraft pro Fläche. Da die Außenseite der Wurst dem Druck mehr Angriffsfläche bietet, müssen dort auch die Kräfte größer sein.
Bei gering gekrümmten Würsten sollten die Unterschiede in der Tangentialspannung deshalb eher gering sein.
Was die Wurst nach meiner Meinung an der Innenseite zuerst zum Platzen bringt ist die Axialspannung.Außen stellt sich, wie bei der geraden Wurst, in axiler Richtung eine Zugspannung ein. Innen ist die Wursthaut dummerweise negativ gekrümmt dadurch wird eine Druckspannung erzeugt. Da so ein Naturdarm keine Biegesteifigkeit hat, destabilisiert das die dünne Haut (Knicken, Beulen) und pflopp,die Wurst platzt.
In der Tat glaube ich, daß es aus Stabilitätssicht völlig unverantwortlich ist krumme Würste zu produzieren.
Ich fordere deshalb hiermit nochmals die allgemeine Wurstbegradigung!!
Hochverherter Professor Wurst,
vielen Dank für diese aufschlussreiche und in die Tiefe gehende Erläuterung. Ich freue mich schon drauf, Sie beim Almcamp persönlich kennen lernen zu dürfen und hoffe auf ein angeregtes Fachgespräch über Kärntner Wildwürstel. Eventuell sollte man sogar ein Podcast-Special von hoch droben am Berge andenken, was meinen Sie?
mit kollegialen Grüßen,
Univ. Lektor Blogfried Datenschmutz (Wurstuniversität Wien)
Ja, so was hab ich im Maschbaustudium auch gelernt. Sehr praxisbezogen, so ein Studium an der FH :-))
Hallo,
schön bebildert - das zeigen unsere Physikstudenten aus der TU Darmstadt auf Ausbildungsmessen.
Das Experiment haben sie in tecnopedia - dem Internetportal zu Technik-macht-Schule - publiziert. http://www.tecnopedia.de/index.php?id=119894079436354&experimentId=120482994987944
Dort können Sie Ihre Experimente auch veröffentlichen und Naturwissenschaften mit Alltagsgegenständen anschaulicher machen.
http://www.tecnopedia.de/index.php?id=113665865461738
Gruß
RL
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