Was haben Hausschlachtungen mit Martinslaternen zu tun?

Vor kurzem kam ich an einem Wurststand mit einem alten Mann ins Gespräch, der vor ewig langer Zeit einmal Bauer und/oder Fleischer war. Im Laufe des Gesprächs fragte er mich, ob ich wüsste, was Hausschlachtungen mit Martinslaternen zu tun haben. Ich hatte keine Ahnung, nur eine Vermutung. Und da ja heute Martinstag ist, passt seine Antwort perfekt hierher:

Ein uraltes Bild von einer Hausschlachtung. Da hat sich bis heute nicht viel geändert...Der November war am Land bzw. auf Bauernhöfen traditionell der Monat des Schlachtfestes. Der Winter nahte in großen Schritten und so schlachtete man ein Schwein, um genug Würste und Fleisch für die kalten Wintermonate zu haben. Außerdem waren die Fleischprodukte in der kalten Jahreszeit natürlich auch haltbarer, Kühlschränke gab es ja damals noch nicht.
Das Schlachten selbst war schon hart und es brauchte eine Menge Personen, die dabei halfen, das Schwein zu schlachten, es zu zerlegen und zu Würsten weiterzuverarbeiten. Im Endeffekt verwertete man das komplette Schwein. Sogar die Knochen - die verwendete man zum Suppe kochen.
Nach getaner Arbeit ging es ans Feiern und die Helfer wurden meistens mit Naturalien, sprich: Würste und Fleisch, entlohnt.

Kinder mit Laternen - aber ich vermute, dass es keine Schweinsblasenlaternen sind... Also irgendwie ist es halt ein Symbolbild.Aber nun zur Beantwortung der eigentlichen Frage, was das alles mit Martinslaternen zu tun hat. Früher gab es ja noch keinen Strom am Land und somit auch keine Straßenbeleuchtung und so verwendete man Laternen, um wenigstens ein bisschen zu sehen, wo man hintritt, wenn man in der Nacht unterwegs war. Also nahm man die Schweinsblasen der geschlachteten Schweine, zog sie über vorher angefertigte Drahtgestelle und ließ sie trocknen. Als sie getrocknet waren, stellte man ein kleines mit Öl gefülltes Gefäß hinein und befestigte die Schweinsblasenlaterne an einem hölzernen Stöckchen.
Und fertig waren die (Martins)Laternen, die bis heute den Kindern ein Lächeln ins Gesicht zaubern, wenn sie ganz stolz am Martinstag oder am Vorabend des Martinstages damit in der Gegend herumspazieren.

Hab ich wieder mal etwas gelernt am Wurststand! Danke für die Info, mein lieber Herr… äh, ich weiß ja nicht mal seinen Namen, komme ich gerade drauf… Naja, trotzdem Danke!

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6 Kommentare bisher | Gib deinen Senf dazu...

Comment von Sebastian
2009-11-11 11:07:06

Ist ja lustig. Mein Opa in der Steiermark hat mir das auch mal erzählt in meinen Kindergartentagen, die schon etwas länger her sind :-). Allerdings war damals die Vorstellung mit einer beleuchteten Schweineblase herumzulaufen etwas ekelig - um ehrlich zu sein, ist sie das heute auch noch.
Und so ging ich dann doch lieber mit meinen Kindergartenfreunden in Zweierreihe und selbstgebastelten, bunten Laternen durch den Ort.

Liebe Grüße aus der Steiermark, Sebastian

Comment von Prof. Wurst
2009-11-11 14:06:08

Hallo Sebastian,
Vielleicht kann man ja die getrockneten Schweineblasen bunt anmalen, dann sind die Gedanken mit einer Schweineblase herumzulaufen, nicht mehr ganz so schlimm, oder?! ;-) Beste Grüße,
Prof. Wurst

 
 
Comment von Markus
2009-11-11 18:37:56

Hallo Prof.

Das war aber eine leichte Frage, die man mit ganz kurzem Denken sich beantworten konnte.

Wir haben als Kinder die Laternen selber gebastelt.

Mit der Schweinsblase haben wir immer Fußball gespielt.
Damit die Luft nicht entweicht, musste man das zusammenknoten.
Wie heißt das Ende, welches verhindert, dass die Luft entweicht?

Mit wurstigen Grüßen aus Hamburg.

Comment von Prof. Wurst
2009-11-12 00:21:43

Hallo Markus, Vorsitzender der Fussballwurst, :-D
Jaja, das kann jeder sagen, dass die Frage leicht war - vor allem, wenn die Antwort da steht… ;-)
Ich kann mir das nicht vorstellen, dass man damit Fussball spielen kann. Aber ok, vieles ist möglich mit Blasen…
Aber nun zur Beantwortung deiner Frage (obwohl ich schon sagen muss, dass das nicht wirklich mit meinem Forschungsgebiet zusammen hängt. Ich bin doch mehr in der Wurstwissenschaft beheimatet als in der Blasenwissenschaft…)

Das Ende, das man zusammenknoten muss, so wie bei einem normalen Luftballon, heißt: Blasenhals!

Beste Grüße und viel Spass beim weiterlernen an der Wurstakademie.
Prof. Wurst

 
 
Comment von Markus
2009-11-12 22:34:12

Guten Abend Prof,

als du die Frage gezwitschert hast, habe ich die Antwort schon gewusst.

Mit einer Schweinsblase kann man sehr gut Fußball spielen, wenn die noch frisch ist. Das geht sehr gut. Probier das mal aus. Ist zwar eher wie mit einem Gummiball aber zur Not geht es!

Deine Antwort und dem Vergleich mit dem Luftballon war richtig. Man kann aber zum Blasenhals auch noch Schnüdel sagen. Dies ist aber weniger akademisch.

Blasologe bin ich auch keiner, will doch aber Dipl.-Wurstologe werden.

Wünsch dir noch eine geruhsame Nacht und ich muss weiter studieren.

Markus

Comment von Prof. Wurst
2009-11-18 23:56:28

Hallo Markus,
Ich kann es mir immer noch nicht so wirklich vorstellen, mit einer Schweineblase Fussball zu spielen. Aber ich glaube es dir als eingefleischten Fussballer einfach!
Ja, hast recht, “Schnüdel” klingt nicht wirklich akademisch… :-D
Viel Spass beim Weiterlernen und viel Erfolg auf dem Weg zu einem Wurstologen!
Beste Grüße,
Prof. Wurst

 
 

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