Was ist ein Einspänner?
Von Prof. Wurst am Jan 8, 2010 in Wurstwissenschaftliches
An manchen Wurstständen, meist im Wiener Raum, kann man immer wieder den Begriff “Einspänner” auf der Preisliste lesen. Die wenigsten Gäste (von außerhalb) können im ersten Moment mit diesen “Einspännern” etwas anfangen und denken eher an einen der folgenden Einspänner:
Einspänner Nr.1 = Ein von einem Pferd gezogenes Fuhrwerk bzw. Kutsche.- Einspänner Nr.2 = Eine Wiener Kaffeespezialität - ein großer Brauner in einem Glas mit sehr viel Schlagobers/Sahne oben drauf.1
- Einspänner Nr.3 = Vor langer Zeit ein Bauer, der mit seinem Gespann fronpflichtig war.
- Einspänner Nr.4 = In der Architektur eine Zugangsart zu einem Wohngebäude.2
Aber die für uns wichtigste Variante ist natürlich der Wurst-Einspänner. Kurz und bündig erklärt,
ist ein “Einspänner” am Wurststand
eine Einzelwurst von einer Wurstart,
die es normalerweise als Paar
zu kaufen und genießen gibt.
Früher gab es nur Frankfurter/Wiener als Einspänner, aber in der Zwischenzeit gibt es beispielsweise auch Debreziner, Käsegriller und Pustakrainer als Einspänner. Und da sich der Begriff “Einspänner” von Wien aus auch in den Westen Österreichs ausbreitet, gibt es im Salzburger Raum auch Frische und im Tiroler Raum auch St. Johanner als Einzelwurst.
Achtung: Eine Käsekrainer oder eine Waldviertler nennt man nie Einspänner, denn die werden normalerweise ja nicht als Paar verkauft!
Wie kam es zu diesen Einspännern? Ganz einfach: Es gibt genügend Menschen, denen manchmal ein Paar Würstchen einfach zu viel ist oder kleinen Kindern reicht oft auch ein einzelnes Frankfurter/Wiener Würstchen.
Variationen von diesen Einspännern gibt es natürlich auch:
- Würstchen im Schlafrock: Das ist ein Einspänner in einem Teigmantel, in gewisserweise der Vorläufer des Hotdog.
- Einspänner im Saft: Ein Einzelwürstchen in einem Teller Gulaschsaft.
Mehr berichte ich zu diesen Variationen ein anderes Mal…!
Noch ein ganz praktischer Tipp von mir persönlich:
Bestellt mal bei einem Wurststand statt einem Paar Würstchen zwei Einspänner, natürlich von 2 verschiedenen Würstl.
So kann man nämlich bei einem Wurststandbesuch gleich 2 Fliegen auf einmal schlagen:
- Erstens werdet ihr satt und
- zweitens könnt ihr gleich 2 verschiedene Würste probieren.
Mach ich auch manchmal, wenn ich Wurststände teste.
- Weitere Kaffee-Zubereitungsarten in Wiener Cafehäusern gibt es hier auf Wikipedia. ↩
- Hier auf Wikipedia gibt es eine Erklärung zu dieser Erschließungsart von Gebäuden. ↩





Danke für die Erklärung. Aber was mich noch interessieren würde: Wieso essen die Österreicher ihre Würste immer gleich paarweise? Gut, vielleicht einfach, weil sie ihnen schmecken … Aber Deutsche sind ja auch für ihre Liebe zur Wurst bekannt - wir essen trotzdem nicht immer gleich zwei auf einmal
Ist das das berühmte Wiener Phäakentum? Oder wurde diese Mode vielleicht mal vom Hotel Sacher eingeführt?
Hallo Petra,
Naja, wir essen ja auch nicht 2 Würste auf einmal, sondern eine nach der anderen. So gierig geht es nun auch nicht zu an den Wurstständen. Aber ich nehme mal an, so hast du das gar nicht gemeint.
Ich denke, das hat eher organisatorische Gründe, dass man bei Wurstständen die Würstchen paarweise bekommt, zumindest die dünnen wie die Frankfurter/Wiener - die dicken, wie die Käsekrainer, gibt’s eh nur als Einzelwurst. Es ist einfacher und praktischer gleich ein Paar auszugeben, als 2 mal eine Wurst. Stell dir mal vor, vor einem Wurststand stehen 30 Personen (was nicht selten in Stoßzeiten der Fall ist), alle bestellen 2 mal eine Wurst, vielleicht auch noch verschiedene, bezahlen beide und einer nach dem anderen will dann nach ein paar Minuten sein 2. Würstl. Das ist so schon Vollstress im Wurststand, aber das wär dann wahrscheinlich die Hölle, hier noch den Überblick zu behalten… Da will ich dann nicht im Wurststand stehen. Abgesehen davon, will ich als Kunde dann nicht nochmal anstehen und auf mein 2. Würstchen warten müssen.
Was aber nicht heißt, dass es das in Österreich nicht gibt, sich eine Wurst nach der anderen geben zu lassen. Aber halt nicht in Stoßzeiten. Vor allem im Winter ist das ja sehr angenehm, denn dann ist das 2. Würstl nicht schon kühl, wenn es an der Reihe ist. Bei Normalbetrieb ist das also absolut kein Problem.
Also meiner Meinung nach - und die zählt ja was im Reich der Würste - hat das paarweise ausgeben von Würsten nichts mit einer Mode zu tun und auch nichts mit dem Hotel Sacher und auch nichts mit dem Wiener Phäakentum. Aber da fällt mir gerade was zum Wiener Phäakentum ein… ein Gedicht über das ich vor einiger Zeit gestoßen bin. Super, nun kann ich’s endlich anbringen.
Der Phäake
Ich hab sonst nix, drum hab ich gern
ein gutes Papperl, liebe Herrn:
Zum Gabelfrühstück gönn ich mir
ein Tellerfleisch, ein Krügerl Bier,
schieb an und ab ein Gollasch ein,
(kann freilich auch ein Bruckfleisch sein),
ein saftiges Beinfleisch, nicht zu fett,
sonst hat man zu Mittag sein Gfrett.
Dann mach ich - es is eh nicht lang
mehr auf Mittag - mein’ Gesundheitsgang,
geh übern Grabn, den Kohlmarkt aus
ins Michaeler Bierwirtshaus.
Ein Hühnersupperl, tadellos,
ein Beefsteak in Madeirasoß,
ein Schweinspörkelt, ein Rehragout,
Omletts mit Champignon dazu,
hernach ein bisserl Kipfelkoch
und allenfalls ein Torterl noch,
zwei Seidel Göß - zum Trinken mag
ich nicht viel nehmen zu Mittag -
ein Flascherl Gumpolds, nicht zu kalt,
und drei, vier Glaserl Wermut halt.
Damit ich’s recht verdauen kann,
zünd ich mir mein Trabukerl an
und lehn mich z’rück und schau in d’ Höh,
bevor ich auf mein’ Schwarzen geh.
Wann ich dann heimkomm, will ich Ruh,
weil ich ein Randerl schlafen tu,
damit ich mich, von zwei bis vier,
die Decken über, rekreir.
Zur Jausen geh ich in die Stadt
und schau, wer schöne Stelzen hat,
ein kaltes Ganserl, jung und frisch,
ein Alzerl Käs, ein Stückerl Fisch,
weil ich so früh am Nachmittag
nicht schon was Warmes essen mag.
Am Abend, muß ich Ihnen sagn,
eß ich gern leicht, wegn meinen Magn,
Hirn in Aspik, Kalbsfrikassee,
ein kleines Züngerl mit Püree,
Faschiertes und hin und wieder wohl
zum Selchfleisch Kraut, zum Rumpsteak Kohl,
erst später dann, beim Wein zur Not,
ein nett garniertes Butterbrot.
Glaubn nicht, ich könnt ein Fresser wern,
ich hab sonst nix, drum leb ich gern,
kein Haus, kein Auto, nicht einmal
ein G’wehr im Überrumplungsfall.
Wenn nicht das bissel Essen wär - -
(Stimme des Volkes)
Segn S’, deswegen ham S’ nix, liaber Herr!
Das Gedicht hab ich hier gefunden: http://home.ccc.at/lroll/phaeake.htm und ist von Josef Weinheber aus dem buch “Wien wörtlich” von anno 1948.
Also dann, liebe Petra,
Beste Grüße,
Prof. Wurst
Super, danke, ich verstehe so ziemlich jedes 3. Wort! ;)))
Aber ich lerne und lerne…
Hallo Arthurs Tochter,
Dacht ich’s mir. Aber wenn brav weiterlernst verstehst sicher irgendwann mal jedes Wort… Ist ja gar nicht so schwer… Wenn Nachhilfe brauchst, melde dich - ich kenne ein paar gute Nachhilfelehrer.
Machs gut, beste Grüße,
Prof. Wurst
Da will mir doch nicht etwa der Herr Professor im Gedichteschreiben Konkurrenz machen??

Aber nein, ist ja “nur” zitiert, wobei ich die Reime von Herrn Weinheber (welch passender Name), schon länger kannte…
Gruß Rainer
Hallo Rainer Prüm: ,
Der Name “Weinheber” hat wirklich was, trotzdem würde ich nicht so heißen wollen. Da ist mir der Nachname “Wurst” schon sehr viel lieber…
Neinnein, mach dir keine Sorgen! Es wird dir niemand Konkurrenz machen im Gedichteschreiben! Und es wird auch keine weitere “Reim-Ecke” geben. Die gehört exklusiv dir hier an der Wurstakademie.
Beste Grüße,
Prof. Wurst
Was nun für mich neu ist, in Deutschland gibt es Würste nur als Einspänner? Dann sollten die Deutschen den Ausdruck für zwei Würste mit “ein Fuhrwerk” Würste bitte übernehmen.
Und ein Fiaker (Betonung “a”) ist ein Verlängerter mit Schlag.
Gruß aus der Fotoshopwüste!
die Ente
Hallo Entegut,
Ein “Fuhrwerk” für ein Paar Wurst finde ich eine gute Bezeichnung - gute Idee. Aber ich glaube, nein ich weiß, dass es in Deutschland nicht nur Einspänner gibt…
Beste Grüße,
Prof. Wurst
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